Ebermannstadt - Marienkapelle

Einblicke in die Marienkapelle in Ebermannstadt
Einblicke in die Marienkapelle in Ebermannstadt

Die »Marienkapelle« ist das älteste Bauwerk der Stadt. Angaben über den ersten Kirchenbau fehlen. Der fast quadratische Grundriss des  Zentralbaues kann jedoch ein Hinweis darauf sein, dass der Ursprung bis in die romanische Zeit zurückreicht. Die abwärtsführenden  Eingangsstufen belegen das hohe Alter des Gebäudes. Die erste urkundliche Erwähnung findet sich in einem Testament des Gottfried von Schlüsselberg aus dem Jahre 1308, in dem er der Kapelle »zwei Pfund Heller« vermacht. Das äußere Erscheinungsbild der Kapelle mit  Schießscharten im gedrungenen gotischen Turm (14. Jahrhundert) lässt noch ihre Bestimmung als mittelalterliche Wehrkirche erkennen. Nach wiederholten Zerstörungen wurde die »Marienkapelle« immer wieder aufgebaut. Der Bildhauer Friedrich Theiler (1748 – 1826), der  bedeutendste Sohn der Stadt, hat um 1800 die Kapelle restauriert und mit Skulpturen von hoher künstlerischer Qualität bereichert. Der linke Seitenaltar präsentiert seine bekannteste Figur, die »Ebermannstädter Strahlenmadonna«. Eine jugendliche Maria, gekrönt und mit Zepter, schreitet, von einer Gloriole umgeben, über die Mondsichel. Auf ihrem linken Arm sitzt das segnende Jesuskind mit einer goldenen Weltkugel. Dieses apokalyptische Motiv hat Theiler in Abwandlungen mehrmals gestaltet. Die Ebermannstädter Fassung (um 1800) soll nach der  Überlieferung die Züge einer jungen Mitbürgerin tragen. Im Mittelpunkt der spätbarocken Altararchitektur zeigt das Altarblatt eine Szene aus dem Marienleben. Die jugendliche Maria steht vor ihrer sitzenden Mutter Anna und hält ein geöffnetes Buch in der Hand. Der Vater Joachim blickt über die Schulter seiner Frau auf die Tochter. Es handelt sich hierbei um eine seitenverkehrte Kopie des berühmten Gemäldes von Peter Paul Rubens (1577 – 1640) »Erziehung der Jungfrau«. Das Original befindet sich im »Museum der schönen Künste« in Antwerpen. Bemerkenswert ist die äußerst seltene Deckengestaltung aus der Renaissancemode, bestehend aus langen, gekehlten Holzbohlen, einem  Tonnengewölbe aus dem Jahre 1688, das in 86 Kassetten gegliedert ist, die bäuerlich anmutende Engelsköpfe und Ornamente zeigen.

Webseite

https://st-nikolaus-ebermannstadt.de/kirchen/marienkapelle1/